Chronik Der Jäger-Kompanie

Historische Dokumente

Texte recherchiert und aufgearbeitet von Christa und Erwin Stränger

Versammlung der
Jäger-Kompanie am 13.04.1947

Die im Jahre 1927 gegründete Kompanie ist wohl diejenige die am meisten gelitten hat während des Weltkrieges unter dem Regime Adolf Hitlers. Wurde doch am 22. März 1945 bei einem Feindangriff auf unsere denkwürdige Stadt Ratingen, die im Jahre 1276 durch den damaligen Herzog Adolf vom Berg zur Stadt erhoben war, zum Teil zerstört. Der Angriff durch Flieger setzte Mittags gegen 12 Uhr ein und nach knapp sieben Minuten bot sich unseren Augen ein Trümmerfeld. Um aber hier kurz aufzuführen was zerstört worden ist, kann man die Hochstraße wo sich das Vereinsheim der Kompanie im Hause des Kompaniemitgliedes Robert Haagmann befand, als am stärksten betroffen bezeichnen. Das Vereinsheim wurde total zerstört, sodaß auch rein gar nichts gerettet werden konnte. So viel dann auch unsere schöne Fahne dem ausgebrochenen Brand zum Opfer. So sind dann noch ein Teil der Bahn- u. Mül-heimerstraße sowie Oberstraße mit dem katholischen St. Marienkrankenhaus als auch der katholischen Pfarrkirche St. Peter u. Paul wo das Mittelschiff zerstört worden ist, dem Angriff zum Opfer gefallen. Wirtschaften sind 15 Stück total zerstört. Man kann in kurzen Worten nicht alles so nieder-schreiben, wie es sich in Wirklichkeit zugetragen hat. Am 17. April 1945 nahmen die Feindhandlungen für Ratingen ihr Ende, indem die damalige verantwortliche Stadtverwaltung gegen 17 Uhr an beiden Kirchen die weiße Fahne hissen ließ, zum Zeigen das Ratingen als offene Stadt erklärt wurde, so nahmen dann amerikanische Truppen, Besitz von Ratingen. Nach unge-fähr 3 Monaten änderte sich dieses und an der Stelle der Ame-rikaner kam ein englisches Kommando, die auch heute noch hier liegen und wir die Bezeichnung politisch Nordrheinprovinz führen. So hatte sich den Alles aus dem öffentlichen Leben zu-rückgezogen.

Bis dann im Monat August 1946 die Vorstandsmitglieder in der Bruderschaft, Vorsitzender Willi Wedelmann, stellvertretender Vorsitzender Studienrat Heinz Büter sowie August Engels Kassierer, ehemalige Vorstandsmitglieder der einzelnen Kom-panien, zu einer Besprechung einluden um das Leben der Bruderschaft wieder neu anzufangen. Dieses ist dann auch gelungen, die Kompanien riefen ihre Mitglieder wieder zusammen. So auch unsere Jägerkompanie wo sich Kassierer Johann Ludwig betätigte die ehemaligen Mitglieder zusammen zufassen. Unser alter Hauptmann Wilhelm Brückmann war am 28. Mai 1943 gestorben. Sein Nachfolger war Fritz Sturm der auch nicht mehr gesundheitlich auf der Höhe ist. Man kam erstmalig im September 1946 in der Gaststätte Wilhelm Beckmann Inhaberin seine Tochter Fiene Anna Herzberg zusammen. Es waren zwar nur acht Mann, die sich dort zusammen fanden. Es wurde festgelegt jeden zweiten Sonntag im Monat zusammen zu kommen und zwar gegen 10.30 Uhr. Es fehlte nicht unser Mitglied Hugo Koch, der beim letzten Schützenfest im August 1939 sich die Königswürde erschossen hatte und seit dieser Zeit noch Bruderschaftskönig ist. Ebenfalls wurde bestimmt, daß monatlich ein Beitrag von R.Mark einbezahlt werden soll, wovon der übliche Bruderschaftsbeitrag abgeführt werden soll. So kam man dann auch die folgenden Monate zusammen, an den betroffenen Sonntag-morgen. Am Sonntag, den 8. Dezember 1946 waren anwesend: Sturm, Oberlaender, Ludwig, Koch, Klingen, Sinner, Heinen, Krahn, Kurtz, Haagmann. Schützen-hauptmann Fritz Sturm gab die Erklärung ab, daß es ihm nicht möglich sei, seinen Posten als Hauptmann ausführen zu können, da er durch seine Krankheit daran gehindert würde. Anwesende sprachen ihr Bedauern aus, sowie den Dank für seine Nachverwaltung als Kompanieführer. Bei der nun folgenden Wahl eines Kompaniehauptmannes wurde das Mitglied Herr-mann Oberlaender vorgeschlagen und einstimmig gewählt, der dann auch die Wahl annahm. Fritz Sturm wurde sein Stell-vertreter. Kassierer blieb Johann Ludwig, sowie Robert Haag-mann Schriftführer.

Dergleichen fand eine Bruderschaftsversammlung statt in der angeregt wurde, am 21. Januar 47 das Titularfest zu feiern. Im Jahre 1946 sind gestorben von den Kompaniemitglieder Peter Kuhles und Anton Schäfer, die durch erheben der Anwesenden von ihren Sitzen bedacht wurden. Sodann fanden dann in den Monaten Januar, Februar und März ebenfalls Versammlungen statt. Im Augenblick kann ja nicht viel geleistet werden, da uns die Hände gebunden sind. So nahm das Titularfest am Sonntag, den 19. Januar 1947 seinen Verlauf, indem soweit es eben möglich war sich die Mitglieder an dem Kirchgang beteiligten, da von einer weiteren Feier Abstand genommen werden mußte. Leider gingen durch Tod im Monat März von uns, unsere treuen Mitglieder, zuerst unser Fahnenoffizier Wilhelm Schäfer, als auch unser Fähnrich Wilhelm Mückshoff. Am Sonntag, den 13. April 1947 fand wie üblich eine Versammlung statt in der anwesend waren Oberlaender, Ludwig, Winiarski, Massot, Klapdor Theo, Issel, Heinen, Krahn, Sinner, Sturm, Kutsch, Kurtz, Haagmann. Es war bis jetzt so üblich alljährlich einen Kompaniekönig als auch einen Pokalsieger auszuschießen. Die Kompanie besitzt nämlich zwei Wanderauszeichnungen, eine Königskette, und den Wilhelm Brückmann Pokal, Letzterer ist beim zehnjährigen Bestehen der Kompanie im Jahre 1937 von den Mitgliedern der Kompanie gestiftet worden und als Wilhelm Brückmann Wanderpokal zu Ehren unseres Hauptmannes benannt worden. Im Laufe der Jahre haben sich diesen Pokal erschossen als Pokalsieger Herrmann Oberlaender 1938/39 & 1939/40 & 1941/42 & 1942/43, Lorenz Kutsch 1943/44, Fritz Sturm 1944/45, Heinrich Kurtz 1940/41.

Da in diesem Jahre ein Ausschießen mit Kleinkaliber nicht ge-macht werden konnte, ebenfalls eine Armbrust nicht zur Verfü-gung stand, so mußte, um die alte Gepflogenheit hochzuhalten zu einem anderen Mittel gegriffen werden um einen Wechsel der im Besitze der Auszeichnungen befindenden Mitglieder vor-nehmen zu können. Man bestimmte daß, das Los entscheiden sollte.

Dieses ist eine einfache Angelegenheit indem soviele Lose bereit gestellt wurden als Mitglieder anwesend waren. Ein Los enthielt die Bezeichnung des Siegers. Als Kompaniekönig ging Anton Winiarski hervor, während Karl Heinen Pokalsieger wurde. Beide wurden von den Versammelten zu ihrer Errungen-schaft beglückwünscht. Leider konnte der Pokal, wie es doch zweckbestimmend ist, nicht mit edlem Traubensaft gefüllt werden. Wehmut erfüllt unser Herz, denkt man daran zurück, wenn bei einer solchen Gelegenheit der gefüllte Pokal die Runde kreiste und es auch schon vorgekommen ist, daß die Kompaniemitglieder zuviel geweint hatten und bei solcher Gelegenheit Artur Massot seinen Wagen holen mußte, und schwankende Personen ohne Aufsehen zu erregen nach Hause zu bringen. Aber schön war es doch, denn im Wein liegt Wahrheit und diese kam bei solcher Gelegenheit an den Tag. Der Schützenbruder und Mitglied Eugen Janlewing befindet sich noch in Gefangenschaft. Hoffentlich kommt er bald zurück. Am 29. April 1947 feiert unser Peter Krahn nebst seiner Frau das Fest seines goldenen Ehejubiläums. Von Seiten der Kompanie soll ihnen eine Gratulation zugehen. Sonst lag nichs mehr vor und schloß Schützenhauptmann Herrmann Oberlaender bis Aufwiedersehen im nächsten Monat, dem Wonnemonat Mai, die Versammlung.

H. Oberländer                                             Robert Haagmann                                  

Hauptmann                                                 Schriftführer